Tischventilator

13. Heiße Zeiten

Ist es nicht erstaunlich? Wir leben mitten im Informationszeitalter und trotzdem verliert kaum jemand ein Wort über die Wechseljahre. Dabei sind sie ein natürlicher Teil des Lebens, mit dem jede Frau mittleren Alters mal mehr, mal weniger zu kämpfen hat.

Wer sich fragt, was dieses Thema in einem Blog über die Wege zum Glück sucht:

  • In diesem Artikel geht es um Themen wie offener Umgang mit den Wechseljahren und ganz wichtig: um das Thema Selbstmitgefühl. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass sich Frauen, die offen mit den Wechseljahren umgehen und sich Selbstmitgefühl entgegenbringen, freier und zufriedener fühlen.
  • Auch Arbeitgeber können dabei unterstützen. Im Folgenden finden Sie Tipps, wie Sie das Leben betroffener Mitarbeiterinnen schon mit kleinen Dingen erleichtern können.
  • Gleichzeitig tragen das Wissen über die Wechseljahre und offene Gespräche darüber dazu bei, dass Partner bzw. Partnerinnen und Freundeskreis Verständnis zeigen und unterstützen können.

Warum sollten wir mehr über die Wechseljahre sprechen?

Die Wechseljahre können das Leben stark beeinflussen – von der Lebensqualität über soziale Aktivitäten bis hin zur Arbeitsfähigkeit. Wer schon einmal von Hitzewallungen überfallen wurde, die das Herz rasen lassen und den Betroffenen jegliche Energie rauben, weiß, wovon ich spreche. Dazu kommen oft äußerst unangenehme Schweißausbrüche. Für viele der Betroffenen wirkt ein Aufenthalt in der Hölle wie Urlaub verglichen mit der unerträglichen aufsteigenden Hitze, die einen selbst dann im Griff hält, wenn man bei Minustemperaturen im T-Shirt auf dem Balkon steht.

Doch Hitzewallungen sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Liste möglicher Beschwerden ist lang: Schlafstörungen, Schwindel, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung, Gewichtszunahme, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Zahnfleischbluten, Muskel- und Knochenabbau, um nur ein paar zu nennen. Solche Beschwerden zehren an der Substanz und beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern können auch den Spaß an sozialen Aktivitäten verderben und die Arbeitsleistung verringern.

Kein rein deutsches Phänomen

Obwohl das Schweigen über dieses Thema kein ausschließlich deutsches Phänomen ist, gibt es Länder, in denen sich das bereits ändert. In Großbritannien beispielsweise gibt es nicht nur mehr Studien zur Auswirkung der Wechseljahre auf den Job. Es gibt dort auch mehr Arbeitgeber, die Unterstützung für betroffene Frauen bieten.

Beispielsweise werden im Londoner Büro meiner (britischen) Kanzlei verschiedene unterstützende Maßnahmen angeboten, wie zum Beispiel eine App, über die kostenfrei persönliche Beratung gebucht werden kann. Frauen gehen dort auch viel offener mit ihren wechseljahrbedingten Problemen um. Von einer Londoner Kollegin habe ich die Idee übernommen, mir einen Ventilator auf den Schreibtisch zu stellen, der immense Erleichterung bringt.

Auch in der großen amerikanischen Bank, in deren Londoner Zweig mein Freund arbeitet, gibt es Hilfsangebote für Frauen in den Wechseljahren, wie etwa eine ärztliche Sprechstunde speziell für dieses Thema. Die Hemmschwelle, über dieses Thema zu sprechen, ist dort ebenfalls geringer. Mein Freund hat mir mehrmals am Ende eines Arbeitstages davon erzählt, dass Mitarbeiterinnen ihm gegenüber ganz offen über ihre Wechseljahrbeschwerden gesprochen haben. Nun ist er kein kleiner Angestellter, sondern Managing Director – würde ich den Partnern in meiner Kanzlei von meinen Problemen erzählen? Eher nicht, dabei gehe ich schon verhältnismäßig offen mit dem Thema um. Das Tabu um dieses Thema steckt mir aber doch zu sehr im Kopf.

Was hat das Ganze mit Glück zu tun?

Zwei Erlebnisse haben den Anstoß für diesen Artikel gegeben. Sie haben mir einerseits Schuldgefühle genommen und mir zum anderen das Licht am Horizont gezeigt. Lange Zeit habe ich mir Vorwürfe gemacht, weil ich zwar immer runder wurde, aber überhaupt keinen Antrieb hatte, Sport zu machen. Meine Sportklamotten sind mir mittlerweile ein bis zwei Größen zu klein und ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, wie eine Presswurst durch den Park zu rennen oder auf den Stepper im Fitnessstudio zu steigen.

Glückstipp 1: Bei einem Gesundheits-Check-up hatte ich dann ein augenöffnendes Gespräch mit der Ärztin. Sie erklärte mir, dass Joggen gar nicht die richtige Sportart für mich ist, um Fett zu verbrennen. Stattdessen empfahl sie mir, einfach zügig spazieren zu gehen. Dazu brauche ich mich nicht in enge Sportkleidung zu zwängen und ich kann es problemlos in meinen Alltag integrieren. Das hat meine Stimmung enorm aufgehellt!

Glückstipp 2: Das zweite einschneidende Erlebnis hatte ich bei einem Vortrag über die Prämenopause, den meine Kanzlei unterstützte. Eine Ärztin sprach darüber, was diese Zeit für unseren Köper bedeutet. Dann fiel der Satz: Wie soll eine Frau, deren Hormonhaushalt verrückt spielt, die nachts wegen ihrer Hitzewallungen nicht durchschlafen kann und dazu noch zu depressiven Verstimmungen neigt, auch noch die Energie finden, Sport zu treiben?

Diese Aussage hat mir enormen Druck genommen und mir gezeigt, dass Selbstmitgefühl in dieser Zeit das Wichtigste ist. Ich hoffe wirklich, dass sie auch anderen Leserinnen hilft, Geduld mit sich und ihrem sich verändernden Körper zu haben und sich dafür wertzuschätzen, wie viel sie gerade leisten.

Der englischsprachige Vortrag ist auch auf Youtube zu finden, dies hier ist der Link. Die oben erwähnte Stelle ist etwa bei Minute 31. (Bitte beachte, dass dieser Link auf eine externe Website führt und ich keine Kontrolle darüber habe, welche Daten gesammelt und Cookies gesetzt werden.)

Was kannst du als Frau in den Wechseljahren sonst noch tun?

  • Nummer 1 und von entscheidender Bedeutung: Informiere dich über die Wechseljahre. Besuche am besten verschiedene Websites, da die Informationen manchmal widersprüchlich sein können. Je mehr verlässlich wirkende Quellen du konsultierst, desto klarer wird dein Bild über die Veränderungen in deinem Körper sein. Dadurch verstehst du besser, weshalb sich bei vielen Frauen die Körperform verändert, wie es zu den Beschwerden kommt und was du dagegen tun kannst. Ganz wichtig auch: Du wirst lesen, wie du dich und deinen Körper gesund halten kannst. Stichworte für die Suche sind Wechseljahre, Klimakterium, Prämenopause, Perimenopause oder Menopause.
  • Suche dir eine sehr gut unterrichtete Gynäkologin, die dir passende Mittel gegen deine Beschwerden empfehlen kann. Auch hier hilft es, sich vorher bereits sehr gut auf verschiedenen Websites über mögliche Therapien und deren Vor- und Nachteile zu erkundigen.
  • Sprich offen darüber, wie es dir geht. Nur so wird dein Umfeld für deine Situation sensibilisiert. Ich selbst wusste früher auch nichts mit diesem Thema anzufangen und konnte die entsprechenden Zeichen nicht deuten. Als einmal eine Frau neben mir im Flugzeug saß und sich (und damit auch mir) mit dem Fächer Luft zuwedelte, war ich ziemlich genervt. Heute würde ich hoffentlich verständnisvoller reagieren – vor allem, nachdem ich neulich im Flugzeug genau in derselben Situation war wie die ältere Dame damals. Natürlich war meine Reihe die einzige (!), die keine Lüftung über den Sitzen hatte. Wenigstens habe ich mich bei dem jungen Mann neben mir für das Luft-Zuwedeln entschuldigt…
  • Hilf dir selbst mit kleinen Maßnahmen. Auch dazu gibt es auf unzähligen Websites Tipps, hier nur ein paar Gedankenanstöße:
    • Stelle einen USB-Ventilator auf deinen Schreibtisch, einen größeren ins Schlafzimmer. Achte darauf, dass er leise ist und keine störenden Piepslaute von sich gibt, wenn du ihn einschaltest. Falls du ein leises Modell findest, lass es mich wissen. Ich bin immer noch auf der Suche!
    • Probiere einen Nackenventilator aus oder stecke dir einen Fächer ein.
    • Kühlkissen können beim Schlafen helfen. Ich habe mir eines von Ikea gekauft, das leider dermaßen hoch ist, dass ich es nicht verwenden kann. Stattdessen nutze ich ein Kissen aus Tempur – alles ist besser als Federkopfkissen, die ganz fies die Hitze speichern.
    • Lasse während einer Hitzewallung kaltes Wasser über die Handgelenke laufen.
    • Einige Frauen finden Linderung durch den Geruch von ätherischem, naturreinem Pfefferminzöl. Achte auf Bio-Qualität!
    • Trage atmungsaktive Kleidung in mehren Lagen.

Wie kannst du Frauen unterstützen, die in den Wechseljahren sind?

  • Informiere dich über die Wechseljahre, um die Herausforderungen zu verstehen, mit denen viele Betroffene konfrontiert sind.
  • Urteile nicht vorschnell über Frauen, die in deinen Augen unangemessen gekleidet sind. Ich erinnere mich an eine Trainerin, die mich vor Beginn des Trainings in einem dünnen Top begrüßt hat. Damals hielt ich sie für unprofessionell, dabei war ich einfach nur uninformiert. Natürlich hat sie dann während des Trainings einen Blazer übergezogen.
  • Zeige Verständnis, falls deine Freundin nicht mehr so oft ausgehen möchte. Es ist ungeheuer unangenehm, in einem Raum voll Fremder in Schweiß auszubrechen. Biete stattdessen an, euch zu Hause zu treffen.
  • Lasse dich auf gar keinen Fall zu Aussagen hinreißen wie: „Was ein Glück habe ich überhaupt keine Probleme damit. Aber ich bin ja auch noch nicht so alt wie du.“
  • Vor allem aber höre der Person zu. Manchmal reicht es schon zu wissen, dass man über seine Probleme sprechen kann, ohne beim anderen Befremden auszulösen.

Wie können Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen das Leben erleichtern?

Auch als Unternehmen kann man einiges tun, um den Mitarbeiterinnen das Leben zu erleichtern. Dass das nötig ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2023, die vom Chartered Institute of Personnel and Development in Großbritannien durchgeführt wurde. Danach haben 6% der Befragten bereits ihren Arbeitsplatz verlassen, weil sie keine ausreichende Unterstützung erhielten, weitere 17% erwägen eine Kündigung. Bei 9 Millionen Frauen zwischen 40 und 60 Jahren kein unerheblicher Anteil (Zahl aus dem Jahr 2019, siehe Artikel).

Missachtet man die besonderen Bedürfnisse von Frauen in dieser Phase, kann dies unter anderem dazu führen, dass wichtige Führungsrollen nicht von Frauen besetzt werden und die Diversität im Führungskreis verringert wird. Doch auch unter Fachkräften ist der Verlust nicht unerheblich, können Frauen in diesem Alter doch eine Fülle an Erfahrung und Skills vorweisen.

Im Jahr 2023 hat das Institut für angewandte Forschung Berlin (IfaF Berlin) eine Umfrage zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz durchgeführt (zu den Umfrageergebnissen geht es hier). Von 2119 befragten Frauen haben 52,3% gesagt, dass das Thema an ihrem Arbeitsplatz ein Tabuthema ist, bei 77,9% wird dort nie oder selten über das Thema gesprochen. 67,6% wünschen sich eine offene Kommunikation zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz („Stimme voll und ganz zu“ bzw. „Stimme eher zu“).

Noch gravierender die Aussage zum Einfluss der Wechseljahre auf die Karriereentscheidungen. Bei 42,4% der Befragten hatten die Wechseljahre zu nachteiligen Entscheidungen bezüglich der Karriere geführt – das reicht von Stunden reduzieren (24%) über den Wechsel der Stelle (18,4%) und Auszeit von der Arbeit nehmen (15,9%) bis hin zum Ausschlagen von Beförderungen (5,4%). Außerdem waren 29,4% der befragten Frauen schon einmal aufgrund der Wechseljahre krankgeschrieben.

Einfache Maßnahmen, die große Wirkung zeigen

Arbeitgeber stehen dem Ganzen nicht hilflos gegenüber, denn schon einfache Maßnahmen können große Wirkung zeigen:

  • Selbst wenn sie schon mitten in den Wechseljahren stecken, fehlt vielen Frauen oft der Überblick über die Thematik. Oft müssen sie sich die Informationen aus einer Unmenge an Zeitschriften und Internetartikeln zusammenklauben. Eine ärztliche Sprechstunde, Flyer oder Vorträge zum Thema geben Frauen größere Sicherheit und das Gefühl, mit ihren Beschwerden nicht alleine auf weiter Flur zu stehen.
  • Normalisieren Sie das Thema – sei es durch Artikel im Intranet, durch Vorträge oder Flyer in der Küche. Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein ganz normaler Teil des Lebens.
  • Stellen Sie sicher, dass die betroffenen Mitarbeiterinnen Ansprechpersonen haben, mit denen sie über ihre Probleme reden können.
  • Lassen sich die Arbeitszeiten anpassen? Nach einer schlaflosen Nacht sind Ihre Arbeitnehmerinnen dankbar für flexible Arbeitszeiten. Mitunter dauert es auch schlichtweg länger, sich morgens zurecht zu machen. Ein feuchtes Gesicht lässt sich nicht gut schminken und sich Kleidung über einen nassen Körper zu ziehen ist auch nicht jedermanns Sache.
  • Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeiterinnen, von zu Hause aus zu arbeiten. Es nimmt viel Stress, wenn man zwischendurch kurz auf den Balkon treten oder im Winter den Kopf zum Fenster herausstrecken kann.
  • Wenn möglich, geben Sie den betroffenen Mitarbeiterinnen Büroplätze neben aufklappbaren Fenstern.
  • Stellen Sie Ventilatoren zur Verfügung.
  • Gestatten Sie es betroffenen Frauen, während eines Meetings kurz nach draußen oder in den Waschraum zu gehen, wenn sie eine Hitzewallung haben. Es gibt Teams, die in diesem Fall eine kurze Pause machen, bis die Mitarbeiterin oder Chefin wieder zurückkehrt.
  • Auch kann es helfen, Meetings virtuell abzuhalten.
  • Enge Kleidung kann zur Qual werden. Zeigen sie Verständnis, wenn die Betroffenen weite, luftige Kleidung tragen.
  • Falls Ihre Mitarbeiterinnen Uniform tragen, achten Sie auf natürliche, atmungsaktive Materialien.
  • Nicht zuletzt handelt es sich hier um ein Diversity-Thema, bei dem es um die Dimensionen Alter und Geschlecht geht. Warum es nicht zum Thema einer Ihrer Diversity-Initiativen machen?

Meine Kollegin, die für das Thema Wellbeing verantwortlich ist, startet übrigens im März zum Weltfrauentag einen Versuchsballon, indem sie im Newsletter die Wechseljahre thematisiert. Wir sind beide schon sehr gespannt auf die Reaktionen!

Ich bin übrigens auch sehr gespannt auf die Reaktionen zu diesem Artikel – schreibt mir gerne einen Kommentar!

1 Kommentar zu „13. Heiße Zeiten“

  1. Sehr informativ, kurz und knapp für mich als Neuwechseljährende. Erschreckend, dass Deutschland da noch immer so jungfräulich reagiert und andere Länder da viel vorbildlicher mit Mitarbeiterinnen umgehen. Vielen Dank!

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